Geschichte: die Beziehung Mensch & Pferd

 

Auf den Spuren von Mensch und Pferd

 

Schon vor 15.000 Jahren war das Pferd für die Menschen in eurasischen Kulturen wichtig. Höhlenmalereien im Süden von Frankreich und Spanien belegen dies. Wie sich der Weg zwischen Mensch und Pferd seitdem entwickelt hat, welche Mythen bestehen und wie Pferde ihren Platz zu unseren heutigen Wiesen fanden, erläutert die Ethnologin Dr. Machteld van Dierendonck der niederländischen Universität Uetrecht.

Im französischen Solutré wurde deutlich, dass zu unterschiedlichen Zeiten drei verschiedene Pferdegruppierungen gejagt wurden: Aurignacian, Upper Perigorian und Magdalenian. Großen Herden wurden hauptsächlich ihres Fells wegen gehäutet und zum Teil geschlachtet. Vor 9.000 Jahren schwand die Anzahl der Pferde, was auf eine Klimaveränderung und auf die immer stärkere Besiedlung durch den Menschen zu schließen ist. Beweise für eine Pferdehaltung kurz nach dieser Zeit gibt es nicht. Erst 3.000 Jahre später gibt es Anzeichen von domestizierten Pferden in kleinen Regionen in der Ukraine, Western Europas und Asien. Die Haltung der Pferde schien aber problematisch, da die Zucht der Wildtiere in Gefangenschaft schwer war.

Funde in der Ukraine, Kasachstan und Bosnien zeigen, dass es sich mehr um zahme Gefangene handelte als um domestizierte Pferde. Da die Tiere in limitierter Gruppengröße gehalten wurden, entwickelte sich die Domestizierung vielleicht als Nebenprodukt aus der Jagd heraus. Fohlen ohne lebende Mutterstuten wurden eventuell vom Menschen aufgezogen und man erkannte andere nutzvolle Eigenschaften der Vierbeiner. Der Umgang mit Pferden beeinflusste die menschliche Kultur aber erst zwischen dem Neolithikum (4. Jahrtausend v. Chr.) und der Bronzezeit. Dokumentiert von den Stämmen der amerikanischen Plains sowie der Mongolei wurden Pferde lange Jahre gejagt, zusammen getrieben und eingefangen. Wildpferde verteilten sich in Eurasien bis ins Mittelalter - wie ‚wild' diese aber wirklich waren lässt sich nicht nachvollziehen.

Von den Skythen zum Centaur

Es ist schwer zu sagen, wie Pferde am Anfang gehalten wurden, zudem es Schwierigkeiten dabei gab, mit Wildpferden in Gefangenschaft zu züchten. Stuten und kastrierte Hengste wurden wohl von Reitern auf gezähmten Pferden gehütet und von ‚wilden' Hengsten belegt. In China wurde das Pferd, das auf den Tarpan zurück ging, etwa 3000 v. C. domestiziert. Es gibt aber nur wenig Indiz darüber, wie die Tiere in dieser Zeit gemanagt wurden. In der Bronzezeit verzeichnete sich in China ein Wachstum der Pferde von 1,33 m Stockmaß auf 1,49 Meter. Die Skythen, eines der beachtlichsten und sagenumwobensten Reitervölker, zogen ihr Wissen über das Verhalten der Pferde aus dem Leben mit ihnen als Nomaden. Sie wurden zu einem gefürchteten Volk zu Pferd in Asien um etwa 1.000 v. C. Lange vor den anderen Reitervölkern, wie den Hunnen oder den Mongolen, waren die Skythen die Beherrscher Zentralasiens und unterwarfen fremde Stämme zwischen dem Pamirgebirge und der Oder. Pferde waren ihr höchstes Gut. Sie wurden verehrt, mit Gold besetzten Sätteln und Trensen ausgestattet und ihre Schweife geflochten. Die Reichtümer in Pferdeformen, goldenen Haarspangen oder Skulpturen, galten als Grabgabe für noble Verstorbene. Die skythische Pferdekultur gilt wahrscheinlich als der Ursprung des griechischen Mythos Centaur. Die Skythen kastrierten ihre Hengste, um sie leichter handhaben zu können. In Folge dessen wurden sie etwa zehn Zentimeter größer als die anderen Pferde und so zu den Reittieren der gehobenen Klasse.

Jedes Land hat seine eigene Herangehensweise

Zwei hauptsächliche Unterscheidungspunkte in der Beziehung Mensch-Pferd scheint es in der Geschichte zu geben: Einer basiert auf dem Umgang mit dem Pferd, resultierend aus dem Verhalten des Pferdes, und das andere basiert auf der menschlichen Dominanz über das Pferd. Diese zwei Unterschiede lassen sich von den anderen Kampf- und Nutzungsformen des Pferdes innerhalb einer Kultur ableiten. Beide Herangehensweisen wurden wohl damals schon von unterschiedlichen Leute zu verschiedenen Stärken ausgeübt - darauf ankommend, wofür das Pferde verwendet wurde - so wie es auch heute der Fall ist. Ein Kriegspferd zum Beispiel soll dem Reiter immer gehorchen, um im Kampf in der Kavallerie Leistung zu bringen. Auch wenn die Kelten oder Hunnen als antike Reitervölker mit Pferden groß wurden, ist es eher unwahrscheinlich, dass alle römischen Reiter in der Kavallerie herausragende Pferdeleute mit dementsprechenden Fähigkeiten waren. Frühes Handhaben und Ausbilden von Pferden ist in den Schriften von Greeks Simon und Xenophon nachzulesen und auch die Römer nutzen einige dieser Ausbildungsmethoden und Richtlinien zur Pferdehaltung. Der römische Autor Varro beschrieb auch, dass Horsemanship bedeutet, dass Pferd vor Krankheiten durch unnötigem Stress zu bewahren.

Mythen & Rituale

In den Kulturen, die mit Pferden arbeiteten, entwickelte sich eine enge Verbindung zwischen Mensch und Pferd. Diese Beziehung ist aber immer durch Misshandlungen weniger talentierte Mitglieder der Gesellschaft gefährdet, die durch diese so geprägt sind. Die berittene Polizei in Amerika beschreibt, wie wichtig es ist, vertrauensbildende Maßnahmen zu etablieren, um vorauszusehen, wie ihr Pferd in fremden Situationen reagieren wird. Die Arbeit mit Pferden wurde gesellschaftlich in vielen Kulturen als mystisch oder religiös benannt. Bei den Kelten wurde der Pferdekult in Verbindung gebracht mit der Göttin der Pferde und Fruchtbartkeit. In England und Schottland gab es einen geheimen Kreis von Pferdeleuten, zu denen Schmiede, Pfleger und Ausbilder zählten, die Rituale abhielten: Brustknochen eines Frosches - die symbolisch für den "Frog" (übersetzt: Strahl im Huf) stand - wurden aufbereitet und die ‚Horseman's Words' geflüstert. Diese Worte wurden dem Pferd ins Ohr gesprochen, um spirituelle Macht über das Pferd zu bekommen. Vielleicht ist dieses Ritual Grundstein für den heutigen Begriff Pferdeflüsterer. Als Beweis dafür, dass die Beziehung zwischen Mensch und Pferd beidseitig verläuft, gilt das Brauereipferd, das Mitten in London den weggetretenen Kutscher zurück zur Brauerei zog oder die Erzählungen aus dem ersten Weltkrieg, in denen Pferde ihre Reiter vor dem Ertrinken retteten oder sich in der Nacht Wärme spendend neben ihren verletzten Soldaten legten und auf Hilfe warteten.


Text: Rika Schneider

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