Nachbericht Demo: Aguilar & Kreinberg

 

Alfonso Aguilar & Peter Kreinberg in Wang

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Als Horsemen, Buchautoren und Seminar-Leiter sind Alfonso Aguilar und Peter Kreinberg seit Jahren in Deutschland bekannt. Auf der Seminaranlage Wittibsmühle im bayerischen Wang nahmen am 14. September zahlreiche  Zuschauer die Gelegenheit wahr, die beiden Pferdekenner in einer gemeinsamen Demo-Veranstaltung life und hautnah bei der Arbeit zu erleben.

Seit vielen Jahren kennen sie sich von Messen, sind beim gleichen Verlag Buchautoren und geben Pferdebesitzern aller Reitweisen das ganze Jahr hindurch auf Seminaren praktische Hilfestellung. Doch nur selten haben Zuschauer die Möglichkeit, zwei Experten wie Alfonso Aguilar und Peter Kreinberg in einer Veranstaltung zu erleben. Beim Event auf der Wittibsmühle versammelten ich Pferdeleute und reiter  der unterschiedlichsten Reitweisen.

Alfonso Aguilar – Bodenarbeit im Parcours & Roundpen


„Aus Sicht des Pferdes“

Unter dem Motto „aus Sicht des Pferdes“ erläutert  und zeigte der gebürtige Mexikaner und Tierarzt Alfonso Aguilar, der von Nancy Haiber optimal übersetzt wird, das Verhalten und die unterschiedlichen Lernwege der Pferde bei der Bodenarbeit. Er beginnt zunächst in einem ‚Hindernis-Parcour‘mit einer Quarter-Horse-Stute und arbeitet sie an aufgebauten Schreck-Objekten: ein Flattertor, eine Planengasse, die an der Bande liegt und zur Bahn-Innenseite abgegrenzt ist, Tonnen, um die das Pferd am Leitseil herumgeschickt wird, sind in der großen Reithalle aufgebaut. Pferde sind von Typ und Rasse her unterschiedlich, dennoch gibt ihnen ihre Genetik grundsätzlich auch grundsätzlich gleiche gewisse Verhaltensmechanismen mit auf den Weg.
 
„Wie Pferde lernen wollen“ zeigt Aguilar nicht nur in einem seiner Bücher auf, sondern auch hautnah  in Wang anhand der Reaktionen, die die Fuchs-Stute zeigt. Sie scheut vor dem Flatterband, geht rückwärts und dann wieder vorwärts, um die bunten Streifen erneut zu inspizieren. Aguilar, der genau im richtigen Moment seine Körperposition oder seine Einwirkungen  ändert, hilft ihr gezielt, die einzelnen Schritte zu durchlaufen. „Die Stute lernt, die einzelnen Schritte umzusetzen und wird dadurch selbstsicherer. Sie lernt, die Hinweise des Menschen zu beachten, aber auch, selbst zu entscheiden“, erläutert Aguilar. Dies ist ihm sehr wichtig, denn er will das Pferd nicht zwingen. Es soll sich zu den einzelnen Schritten selbst entschließen. Doch dazu benötigt es kompetente und vor allem überzeugende Anweisung. Mit seiner ruhigen und freundlichen Art hat  Aguilar auch alles unter Kontrolle, als die Stute am langen Leitseil um die Tonnen bockt und ihre Hufe präsentiert. Solches Verhalten so leger und locker in die richtigen Bahnen zu lenken, wie Alfonso Aguilar es tut, ist allerdings nicht für jeden zur Nachahmung empfohlen. Es braucht viel Erfahrung und Fachkompetenz, die richtigen Handgriffe auszuführen. Aguilar hat diese Kompetenz und kann so die Lernschritte des Pferdes gezielt darstellen und erläutern.

Bei der Arbeit im Roundpen erfahren  die Zuschauer dann etwas über die Vorbereitung eines jungen Pferdes zum Anreiten. In einem abgesteckten Zirkel bereitet der Horseman eine junge, nervöse Buckskin- Stute auf das erste Satteln vor. Auch hier zeigt er die Lernschritte des Pferdes auf. Die Stute ist abgelenkt, guckt in der Halle umher und ist nach außen orientiert. Alfonso Aguilar lässt sich davon nicht beindrucken und geht ruhig seinem Plan nach. „Bevor das Pferd gesattelt wird“, erläutert er, „muss es lernen, Druck am Gurtbereich, also um den Bauch herum, zu akzeptieren. Würde man einfach einen Sattel ‚draufschnallen‘, wäre das Tier überfordert. Aus diesem Grund beginne ich mit einem Seil etwas Druck um seinem Rumpf herum aufzubauen. Bleibt das Pferd dabei ruhig und atmet vielleicht sogar aus, kann ich den Druck wegnehmen und einen Schritt weitergehen.“ Schon bald liegt der Longiergurt um den Rumpf der Stute und ist auch gegurtet. Die Stute, zwar immer noch aufmerksam und wach, lässt sich auch damit im Schritt im Kreis herumdirigieren. Dabei erläutert der Pferdemann die Wirkungsweisse der Bosal_Hackamorezäumung.  Für das junge Pferd ist dies schon ein großer Schritt, so dass Alfonso Aguilar beschließt,  es damit auf sich beruhen zu lassen. Nachdem die Quarter- Horse-Stute auch frei ein paar Runden im Zirkel laufen durfte und die Zuschauer betrachten konnte, wechselt der Tierarzt zu einer kleineren Variante: ein Mini-Shetty. Uta Altenburg, die viele Seminare mit Alfonso Aguilar in Deutschland organisiert, hat dem Ausbilder zusätzlich ein besonders kleines Demo-Pferd organisiert. „Die Größe spielt keine Rolle“, lacht der Ausbilder und geht für das Shetty auf die Knie. „Auch dieses kleine Pony reagiert und lernt wie ein großes Pferd. Die Genetik gibt das Lernschema vor.“  Zur Freude der Zuschauer erarbeitet er die Hinterhandkontrolle des Ponys sowie die Nachgiebigkeit am Halfter.

Peter Kreinberg – Bewegungslernen für effektive Bodenarbeit

„Systematisch zum Ziel – hier lernt der Mensch“

‚Wie der Mensch lernt, ein für das Pferd angenehmer Partner, Ausbilder und Reiter zu werden‘ zeigt der renommierte Ausbilder Peter Kreinberg. Er ist für seine präzise und effektive Unterrichtserteilung ebenso bekannt wie für seine reiterliche Ausrichtung  nach den Grundsätzen der Campagne- und  kalifornischen Reitweise. Er zeigt in seinem Unterricht wesentliche Bewegungsmuster und auch häufige Fehlfunktionen und Blockaden des Menschen auf und wie diese bewusst verändert werden können, damit man am Boden  und im Sattel von Pferden besser verstanden wird. Bekannte Aussprüche wie „das Pferd spiegelt den Menschen“  oder „der Reiter formt das Pferd“ treffen die Sache im Kern. Und genau hier setzt der Horsemanship-Ausbilder an: in der Praxis am Pferd entwickeln seine Schüler mehr Bewusstsein für ihre eigenen Bewegungen und Handlungen. Sie erlernen ein fundiertes Wissen und Handwerk, das den Pferden hilft, willig, freundlich und zuverlässig mitzumachen.

Für Peter Kreinberg beginnt die Ausbildung am Boden, dies war das Thema des ersten Teils seiner Vorführung. Hier lernt der Pferdebesitzer, sich in der Zweierbeziehung Mensch-Pferd verständlich zu machen  und das Vertrauen und den Respekt des Pferdes zu erlangen. Der Mensch kann seinen Körper gezielt einsetzen und bewegen. Dadurch kann er das Pferd fördern oder es in seinen Instinkten irritieren und stören. Ob der Mensch vor oder hinter der Schulter des Pferdes positioniert ist, ob er seine Hüfte in Bewegungsrichtung dreht oder dagegen, ob seine Arme weit nach rechts und links herausgestreckt sind oder sie zentriert vor dem Körper agieren – all dies hat Einfluss auf die Reaktionen des Pferdes. Diese für das Pferd so wesentlichen Handlungen des Menschen macht Peter Kreinberg den Zuschauern mit seinem Hannoveraner Wallach „Likoto“ deutlich. „Neben der Körperpositionierung  ist auch das Handwerk am Leitseil zu erlernen“, macht der 61-Jährige deutlich. Schwingt das Ende des Leitseils ruhig, rhythmisch oder hektisch auf ein Körperteil des Pferdes zu?  Wieviel Energie verwendet man dabei? Auch das macht für das Pferd einen großen Unterschied.

„Um in der Bodenarbeit verständlich und effektiv zu sein,  ist das Erlenen eines ,s oliden Handwerksein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg“, erklärt Peter Kreinberg, der in seinen The-Gentle-Touch®-Schulungen unter anderem diese Kompetenzen systematisch vermittelt.  Weiterhin macht er deutlich: „Doch Handwerk allein reicht nicht, es braucht auch ein gutes Gefühl für die Angemessenheit der Handlungen. Die Würde des Pferdes muss gewahrt bleiben, Bodenarbeit darf nicht zum Selbstzweck  werden. Sie dient als Grundlage der Reitpferdeausbildung.“ Er bittet Besucher aus dem Publikum, die Rolle des Pferdes zu Übernehmen um mit ihnen zu zeigen, wie leicht die Grenze vom ‚Fördern und Fordern‘ zur Überforderung überschritten werden kann.

Mit seinem jungen Hannoveraner-Wallach „Likotos Gentle Boy“ macht er zudem deutlich, wie wichtig das richtige Timing ist. „Hat der Mensch nun die Handgriffe richtig gelernt, und steht er auch in der richtigen Position, ist es zudem wichtig, wann und in welcher Dosierung der Impuls gegeben wird.“ Deutlich macht er dies am Beispiel einer Wendung in der Führarbeit. „Gebe ich die Hilfe am Halfter zum Wenden, wenn das richtungweisende Vorderbein des Pferdes in der Stützphase ist, dann steht es auf dem Bein und ‚kann nicht‘ korrekt wenden.“ Wallach „Likoto“ blockiert bei diesem Beispiel in der Schulter und kann Kopf und Hals nicht in die Bewegungsrichtung bringen. In dem Moment, im dem Kreinberg aber die Hilfe am Halfter gibt, wenn der Wallach mit dem richtungweisenden Bein in der Spielbeinphase, also in der Luft ist, setzt er es willig hinüber und geht leichtfüßig und ohne Verspannungen in die Wendung. An weiteren effektiven Übungen, auch am Leitseil, verdeutlicht der erfahrene Ausbilder, was der Mensch tun kann, um sein Pferd besser zu fördern und einen störungsfreie Verständigung aufzubauen.

Alfonso Aguilar im Sattel

"Aktivieren viel mit Freude!"

Dass die Bodenarbeit das Pferd auf das Reiten vorbereitet zeigte Alfonso Aguilar mit der Buckskin-Stute am Morgen im Roundpen. Beim Reiten wird er am Nachmittag von einem Schüler unterstützt, der seine Pferde für die Demo zur Verfügung gestellt hat. Alfonso Aguilar demonstriert vom Sattel aus die Inhalte der „Grundschule beim Reiten“ und beginnt beim Leiten des Pferdes über den Zügel. Seitliches Herausführen des Zügels der gebisslosen Zäumung – und die Rappstute gibt willig nach. Ihr Körper folgt ihrem Nasenrücken, ihre Beine bewegen sich dabei in die vom Reiter vorgegebene Richtung. „Dort, wo ich aufgewachsen bin, wurde gänzlich gebisslos geritten. Nur sogenannte schlimme ‚Problempferde‘ wurden mit einem Gebiss geritten – für mich war das Gebiss also kein alltägliches Instrument“, erinnert sich Aguilar an die reiterlichen Erfahrungsjahre in seinem Heimatland. „Als ich dann nach Europa kam, sah ich, dass alle mit Gebiss ritten“, fährt er schmunzelnd fort. Lachend reagiert das Publikum. „Nein, Spaß beiseite. Dennoch bevorzuge ich bei jungen Pferden auch heute noch das Reiten in der gebisslosen Zäumung, der Hackamore. Sie ist eine vorzügliche Ausbildungszäumung. Um die Rappstute unter seinem Sattel etwas freier und dynamischer ins Vorwärts zu bringen – vor allem vom Tor weg bis ans Ende der Halle – macht der in den USA lebende Ausbilder deutlich: „Möchte ich vorwärts reiten, muss auch mein Körper vorwärts wollen. Meine Hand geht voran und somit meine Zügel, meine Energie geht voran, und ich habe Spaß am schnellen Vorwärts-Galoppieren. Immer schneller reagiert  die Stute mit einem deutlichen Schub und galoppiert locker voran. Kein Schweif schlägt, und sie scheint Freude am Tempo zu entwickeln. „Ich möchte, dass Pferde Freude an der Bewegung haben unter dem Reiter. Dies muss einigen Reitern neu vermittelt werden.“

In seinen Kursen bietet Alfonso Aguilar Reiten- und auch Rinderarbeit-Seminare in Deutschland an. Zusammen mit seinem Schüler zeigt der Ausbilder ein schönes Beispiel, wie durch spielerisches Reiten Beweglichkeit und Unverkrampftheit in Mensch und Pferd gefördert werden kann: Beide Reiter halten je ein Ende eines Lassos in der Hand und reiten ohne genaue Absprache improvisierend Volten, Kreise, Wendungen ohne dabei den Kontakt zueinander durch das Lasso zu verlieren oder eingewickelt zu werden. Die Reiter schauen, passen sich an, endscheiden, in welche Richtung das Pferd gehen soll, in welchem Tempo und in welcher Dynamik. Über Minuten spielen sich die zwei Reiter die ‚Bälle‘ zu, und man sieht, wieviel Freude das spielerische Reiten bieten kann.

Peter Kreinberg – bewusster Reiten mit Gefühl

„Gezielte Übungen zur Verbesserung der Sitz-, Schenkel- und Zügelhilfen“

Eine feine Hilfen Gebung, mit der Reiter zu mehr Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit gelangen, stehen in Peter Kreinbergs Vorführung mit dem Wallach „Likotos Gentle Boy“ im Vordergrund. Um Anwendung und Wirkungsweise der beiden unterschiedlichen Ausbildungszäumungen zu erläutern, reitet Peter Kreinberg ihn an diesem Tag in Doppelzäumung: der Wassertrense und er kalifornischen Bosal- Hackamore. „ ,Likoto’ kennt die gebisslose Zäumung von der Bodenarbeit und vom Reiten. Mit vier Zügeln kann ich ihn nun über die ihm bekannte, gebisslose Zäumung reiten und ihn nach und nach vermehrt über das Gebiss reiten“, erklärt der Ausbilder.
 
In zwei gezielt aufgebauten Übungen, bei denen sich gerade und gebogene Linien abwechseln, beleuchtet Peter Kreinberg die Hilfengebung des Reiters. Wie der Reiter mit der Zäumung einwirkt, Schenkelhilfen sowie Balance und Sitzstatik auf dem Pferd einsetzt, um das Pferd in seinem Bewegungsmuster nicht zu stören sondern ihm tatsächlich Hilfestellung geben, erläuterte er detailliert und verständlich. Absichtlich zeigt er auch einige typische Fehlhaltungen und lehnt in die Wendung, schaute nach innen herab oder wirkt mit klemmenden oder klopfenden Schenkel ein  und verdeutlichte damit, was dies störend auf die  Bewegungen des Pferdes wirkt.

„Die Übungen, die ich in der ‚The Gentle Touch-Methode verwende, geben dem Reiter die Möglichkeit, an seinen Fehlhaltungen im Sattel bewusst zu üben. Ich möchte, dass der Reiter selber lernt, wie er seine einzelnen Körperbereiche (Schulter-, Ellbogen-, Hüft-, Knie- oder Fesselgelenk) lockern und effektiver einsetzen kann. Das Entwickeln einer geschmeidigen Mittelpositur kann über einzelne Bewegungsübungen im Sattel erlernt werden“, versichert Peter Kreinberg und zeigt mit seinem Wallach die Übungsabläufe im Trab. Mit der Übung zum leichten „Angaloppieren“ rundete er seine Vorführung ab, die zeigte, dass es der Mensch ist, der sich bewusst ändern kann und sollte. Nur dann kann sich auch das Pferd entsprechend bewegen. „Likotos Gentle Boy“ hatte seine erste lange Reise und meisterte seine Vorführung mit Bravour.

Zuschauer-Feedback

„Ein tolles Event, das mir als Zuschauer die Möglichkeit gibt, nah dran zu sein“, resümiert Besucherin Angelika Beisel aus Augsburg. „Nur selten hat man die Möglichkeit, zwei Ausbilder in der Praxis zu sehen, und ganz besonders schön fand ich, dass beide Experten auch noch sehr lange für Fragen zur Verfügung standen.“ Auch Hofinhaberin Ute Grindl, die viele renommierte Ausbilder auf ihrer Reitanlage Wittibsmühle vorstellt, freute sich über diese Veranstaltung. „Ein Dank geht an die Helfer aus dem Verein ‚Pferdefreunde Moosburg e.V.‘ , die auf unseren Seminaren immer für den reibungslosen Ablauf im Hintergrund sorgen“, so die Hofinhaberin. Das Event in Wang wurde von Rika Kreinberg organisiert, die beide Ausbilder seit vielen Jahren kennt. „Vor fünf Jahren gab es die erste Doppelveranstaltung von Alfonso und Peter in Nümbrecht“, erinnert sich die 41-Jährige. „Wie damals auch, zeigten beide Ausbilder hier in Bayern authentisch Ausschnitte aus ihrem Leben mit Pferden. Ich denke, gerade diese Authentizität ist es, die Zuschauer begeistert. Nicht spektakulär, sondern effektiv und am Lebewesen orientiert, zeigen beide Wege auf, die dem Pferdebesitzer zu Hause weiterhelfen. Trotz ihrer gleichen Ansätze haben beide Ausbilder unterschiedliche Schwerpunkte und Persönlichkeiten – das fand ich besonders erfrischend“, resümiert die Organisatorin.  
So ging ein Horsemanship-Event zu Ende und hinterlässt freudige Gesichter und Pferde, die ein bisschen besser verstanden haben, was der Mensch von ihnen möchte. Wir freuen uns auf weitere Veranstaltungen.

Text: TGT GmbH / rk

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