Buck Brannaman


Authentische Horsemanship aus dem Westen

Buck Brannaman in Köln, Foto: RKBuck Brannaman in Köln, Foto: RK
 Reiterin Natalia reiste extra aus Italien zu diesem Seminar an, das Pferd allerdings lebt in Deutschland. Foto: RKReiterin Natalia reiste extra aus Italien zu diesem Seminar an, das Pferd allerdings lebt in Deutschland. Foto: RK
 Hollywood blieb nicht unbemerkt: stundenlang gab Buck Brannaman am Abend Autogramme. Foto: RKHollywood blieb nicht unbemerkt: stundenlang gab Buck Brannaman am Abend Autogramme. Foto: RK
 Stolze Besitzerin: TGT®-Trainerin Susanne Klatte stellte ihren Hannoveraner-Wallach für diesen Event zur Verfügung. V. li.: Carolin und Susanne Klatte, Buck Brannaman. Foto: RKStolze Besitzerin: TGT®-Trainerin Susanne Klatte stellte ihren Hannoveraner-Wallach für diesen Event zur Verfügung. V. li.: Carolin und Susanne Klatte, Buck Brannaman. Foto: RK
 Im Gespräch bei der Pause: v.li. Peter Pfister, Peter Kreinberg und Bernd Hackl. Foto: RKIm Gespräch bei der Pause: v.li. Peter Pfister, Peter Kreinberg und Bernd Hackl. Foto: RK
Kleine Pause: der junge Rappe nutzt die Pause effektiv und ruht auf allen vier „Füßen“. Foto: RKKleine Pause: der junge Rappe nutzt die Pause effektiv und ruht auf allen vier „Füßen“. Foto: RK
 Rika und Peter Kreinberg beim kleinen Plausch im warmen Zelt. Foto: SchmidtRika und Peter Kreinberg beim kleinen Plausch im warmen Zelt. Foto: Schmidt
 Für Ausbilder Walter Weber Mayr (Mitte) war dieses Seminar „a little bit like coming home!“ Foto: RKFür Ausbilder Walter Weber Mayr (Mitte) war dieses Seminar „a little bit like coming home!“ Foto: RK
Buck Brannaman erläutert die Handhabung der Buck Brannaman erläutert die Handhabung der
Peter Kreinberg übernahm als Ehrengast die Anmoderation am Morgen, und Sabine Bühlmann fungierte als Buck Brannamans Übersetzerin. Foto: RKPeter Kreinberg übernahm als Ehrengast die Anmoderation am Morgen, und Sabine Bühlmann fungierte als Buck Brannamans Übersetzerin. Foto: RK
 Im Gespräch v.li.: Ijja van de Kasteele (Mein Pferd), Inge Vogel (pferdia TV), Kerstin Schmidt (Uelzener Vers.), Peter Kreinberg und Petra Roth-Leckebusch. Foto: RKIm Gespräch v.li.: Ijja van de Kasteele (Mein Pferd), Inge Vogel (pferdia TV), Kerstin Schmidt (Uelzener Vers.), Peter Kreinberg und Petra Roth-Leckebusch. Foto: RK
 Rika Kreinberg interviewt Ehrengast Carolyn Hunt, Witwe von Ray Hunt, zum Projekt „Legacy Of Legends“ für einen Artikel. Foto: RKRika Kreinberg interviewt Ehrengast Carolyn Hunt, Witwe von Ray Hunt, zum Projekt „Legacy Of Legends“ für einen Artikel. Foto: RK

Hollywood oder Horseman? Diese Frage stellten sich einige Besucher, die den amerikanischen Horseman Buck Brannaman, der die Hintergrundarbeit zum Film „Der Pferdeflüsterer“ leistete, noch nicht live gesehen oder zu westamerikanischen Horsemen noch keinen Bezug hatten. Dass dieser Amerikaner nicht nur das „Horsemanship-Erbe“ der Legenden Tom Dorrance und Ray Hunt authentisch weitergibt, sondern auch die praktischen Inhalte lebt, zeigte er anschaulich in einem 3-tägigen Kurs-Event in Köln auf dem Heinrichshof. Als Ehrengast war Ray Hunts Witwe, Carolyn, geladen, die den Besuchern am Abend für Fragen zur Verfügung stand. Horsemen Ray Hunt war es vorwiegend, der vor rund 50 Jahren begann, das Wissen aus der westamerikanischen Ranch- und Vaquero-Tradition über den ganzen Erdball zu verbreiten. Nicht nur Ranchern, sondern auch Freizeitreitern wurde dieses Thema von da an zugänglich gemacht.

Rund 1.000 Zuschauer, darunter Experten wie Peter Pfister, Bernd Hackl, Peter Kreinberg, Christoph Rieser, Marie Maßmann oder Walter WeberMayr  lauschten den vielen detaillierten Worten des Horsemen, der von Sabine Bühlmann übersetzt wurde.  Die Unterrichtsform  vieler Horsemen in den USA:  „learning by doing“  ist allerdings gänzlich anders, als alles, was der deutsche Reitlehrer über das Fördern und  Unterrichten von Schülern gelernt hat. Wer dies berücksichtigte, der konnte  als Reiter oder Zuschauer zahlreiche Impulse und immens viele praktische Anleitungen zur feinen Hilfengebung mitnehmen. Brannaman wählte aus den ihm angebotenen Pferden einen 4-jährigen Hannoveraner-Wallach aus, auf dem er während des Seminars seine Übung demonstrierte.

Wesentlicher Inhalt aus der Reitweise von Tom Doarrance, Ray Hunt  & Buck Brannaman

Ray Hunt sagte einmal „It’s all about the feet“. Und was das in der Praxis  bedeutet zeigte Brannaman in einer ruhigen und klar verständlichen Wortwahl bei der Groundwork sowie beim Reiten. In seinen Basis-Übungen Half-Circle und Full-Circle, bei der das Pferd lernt, die Fußung seiner entsprechenden Beinpaare dynamisch und rhythmisch mit der Zäumungseinwirkung an seinem Kopf, der führenden Reiterhand und dem Sitz abzustimmen, machte der 51-Jährige vielfach deutlich, wie wichtig dabei gutes Timing und Körperposition des Menschen sind. Impulse wurden  in dem Moment gegeben,  wo der Huf eines bestimmten Beines vom Boden abhob. Mit leichter ‚Tuchfühlung‘ der Zügelimpuls wurde begonnen, dann erst das Bein des Pferdes mit leichten immer wieder nachgebenden Signalen in die gewünschte Bewegungsrichtung geführt. Dieses wichtige Element aus der traditionellen westamerikanischen Ranch- und Vaquero-Reitweise, dass schon Tom Dorrance und Ray Hunt  nutzen und lehrten, ist die Grundlage dafür, dass die Pferde dieser Horseman vermehrt über den Reitersitz geritten werden und nicht über die Hand. Dadurch sind sie bald aufrecht in der Schulter und ihr Gewicht ist balanciert auf ihren Hufen verteilt. In dem Seminar ließ Brannaman kaum ein Thema aus: vom Speichefluss des Pferdes bei Reiten, über Zäumungen und deren Wirkungen, Sitz-, Schenkel- und Zügelhilfen, dem ‚Sitzen‘ auf ein bestimmtes Hinterbein bei unterschiedlichen Zielsetzungen oder Elementen aus dem Roping – zahlreiche Aspekte guter Ranchausbildung und verfeinertem Reiten erläuterte er den Zuschauern und demonstrierte es den Reitern in der Praxis.

Die westamerikanische Vaquero oder Ranch-Reitweise, wie die Dorrance-Brüder Tom und Bill oder Ray Hunt sie lehrten, ist keine Anlehnungsreiterei, aber auch nicht mit dem modernen deutschen Bild des Westernreitens am langen Zügel zu vergleichen. Eher wie in der romanischen Reitweise  hängt der Zügel leicht durch, ist aber stets auf ‚Tuchfühlung‘  und kann so gefühlvoll das Pferdemaul ansprechen. Dies ist eine ganz andere Grundlage der Ausbildung, als sie hierzulande häufig zu sehen ist. „Der Reiter muss mit seinem Sitz fühlen lernen, wann welches Bein in allen Gangarten vom Boden abhebt, um dieses gewünscht zu platzieren, erklärt Brannaman. „We want to help the horse to do the right thing easy“.

„Man muss schon genau hinhören“, erzählt Zuschauerin Monika Weimer, die aus Augsburg zu diesem Seminar angereist ist. „Es ist sehr detailliert und umfassend und mein Notizbuch ist fast voll. Ich bin den zweiten Tag hier und so langsam erkenne ich einige Prinzipien, da Buck die wichtigen Elemente immer wieder erwähnt. Ich bin froh als Zuschauer gekommen zu sein, so kann ich vieles seiner Anleitungen mit nach Hause nehmen.“  Wer den Amerikaner mit seiner für uns unüblichen Unterrichtsstruktur nahm wie er war, konnte sicher viele gedankliche und auch praktische Anleitungen mit nach Hause nehmen. Trotz einiger organisatorischer Startschwierigkeiten am Freitagmorgen scheint es dem Publikum gefallen zu haben: Organisator Filippo Smedilli hat zahlreiche Anfragen, wann der Horseman das nächste Mal in Deutschland zu sehen sein wird.

Statements namhafter Besucher

Peter Kreinberg, Horseman und Gründer der The Gentle Touch®-Methode, freute sich über authentisches Horsemanship: „Nicht einmal habe ich in drei Tagen bei Buck eine rückwärtswirkende Hand, eine grobe Einwirkung am Pferdemaul oder einen stechende Sporen gesehen. Wer genau hingeschaut hat, konnte feinste Nuouncen bei Buck sehen, der immer leicht anfragend Sitz-, Schenkel- und Zügelhilfen variierend gibt. Das Pferd wurde nicht mit den ‚Hilfen‘ überfallen und nach traditioneller Westküsten-Manier hat er seinen Reitersitz mit den Bewegungen der Hinter- und Vorderbeine des Pferdes fein abgestimmt.“  Kreinberg hat viele gute Horsemen in den Staaten besucht und lebt diese Philosophie auch in Deutschland. „Buck ist sehr feinmotorisch und balanciert – zwei wichtige Aspekte guter Pferdeausbildung, für die man ein Leben lang lernen muss.“

Freizeitausbilder Peter Pfister ließ sich von Buck Brannaman inspirieren: „Das Ziel ist es, ein mobiles, dynamisches Pferd zu haben – dies wurde mir wieder deutlich. Bucheristische Aussagen wie ‚Schenkel ohne Hand und Hand ohne Schenkel‘ waren mir zwar geläufig, aber nicht im Zusammenhang mit der Vaqureo-Reitweise“, erzählt Pfister. „Bucks Gradlinigkeit, Klarheit aber auch positive Berechenbarkeit gepaart mit einer feinfühligen  Diplomatie helfen Mensch und Pferd. Das hat mir gefallen.“

Christoph Rieser, Sattlermeister und Westernreiter, bezeichnet den Event in Köln als sehr positiv: „Ich habe Buck das erste Mal gesehen und bin beindruckt. Dieser Reiter weiß genau was er tut. Es ist toll einem Profi zuzuschauen, der keine Show aus seiner Arbeit macht – es geht ihm ums Pferd. Das wurde deutlich. Schön war auch zu sehen, dass die Bodenschule zur Vorbereitung zum Reiten genutzt wird und nicht überstrapaziert wird. Ob die 18 Reiter allerdings so viel mitnehmen konnten wie die Zuschauer, glaube ich aber nicht.“

Bernd Hackl, Jung- und Problempferdeausbilder, freute sich über Bekanntes: „Dass heute Horsemanship-Themen oder Ranch-Übungen bekannt sind und in Deutschland praktiziert werden, haben wir Horsemen Tom Dorrance, Ray Hunt und Buck Brannaman zu verdanken. Sie haben die Thematik in den letzten 40 Jahren weltweit verbreitet. Ohne die daraus entstandene Natural-Horsemanship-Bewegung wüssten wir heute in Deutschland sicher weniger darüber. Buck zu sehen bestätigte mich darin, weiter das zu tun was ich tue und dabei authentisch zu bleiben. Denn dies hilft Mensch und Pferd.“

Für Walter Weber Mayr, der in Kalifornien arbeitete und die traditionellen Werte der Ranch- und Vaquero Reitweise in Deutschland weitergibt, war das Seminar im positiven Sinne eine Ermahnung und Erinnerung zugleich: „Auch wenn das deutsche Umfeld einen prägt, so ist es wichtig den eigenen Prinzipien treu zu bleiben. Für mich heißt das nach wie vor, mach dir bewusst was du tust und warum du es tust“. Für deutsche Horsemen, die die Arbeitsweise und Lebensform der Westamerikanischen Rancher authentisch gelebt oder erlebt haben, und auch hierzulande noch leben, fasste der 51-Jährige eines passend zusammen: „This clinic is a little bit like ‚coming home‘!“

Text & Fotos: RK

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