Amanda Barton - Profil

Amanda Barton in Deutschland

 

 

Mark Rashid hat nicht nur mit seinen Büchern die Herzen zahlreicher deutscher Reiter erobert, auch seine Tour 2007 war ein großer Erfolg. Dass der bescheidene Aikido-Meister bei der Ausbildung seiner Assistentinnen genauso respektvoll ist, wie bei der von Pferden und Reitern, zeigt die Engländerin Amanda Barton: ruhig, fundiert und erfahren gibt sie seine Werte und Methoden weiter, ohne dabei ihre eigene Persönlichkeit aufzugeben.

Fleißig geht das Pferd im Schritt voran. Es läuft harmonisch unter seiner Reiterin Gabriele Meinert, bis es hin und wieder den Kopf anhebt und gegen das Gebiss drückt. Eine alte Angewohnheit, mit der die Besitzerin das Pferd vor sechs Monaten gekauft hat. Ausbilderin Amanda Barton kennt das Problem: "Wir bringen den Pferde häufig bei, zu laufen wie ein Hirsch, obwohl wir dies eigentlich gar nicht möchten", erklärt die Engländerin. Und tatsächlich: Bei fast jedem zweiten oder dritten Mal, wenn das Pferd den Kopf hochnimmt, lässt die Reiterin die Zügel etwas locker. "Das Pferd spürt keinen Druck mehr im Maul, wenn der Kopf an höchster Stelle ist und so denkt es bald, dass es den Kopf dort halten soll - dies scheint ihm die angenehmste Position.

Bei manchen Pferde muss dies nur wenige Male geschehen und schon man hat sich einen ‚Hans-Guck-In-die-Luft' erzogen." Amanda Barton, die in der lieblichen Landschaft rund um Southampton mit ihrem Mann Peter und fünf Pferden zuhause ist, legt einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Entwicklung des Reiters beim Fühlen. "Ich könnte Gabriele jetzt sagen ‚lass die Hand stehen und warte, bis das Pferd wieder nachgibt.' Dies würde ihr aber morgen alleine auf dem Reitplatz oder im Gelände nicht wirklich weiter helfen.

Die 37-Jährige, die seit sechs Jahren Kurse von ihrem Mentor Mark Rashid organisiert und seine Assistentin ist, möchte, dass ihre Schüler fühlen lernen. Jeder Reiter mit seinem Pferd hat ein anderes Gefühl für Druck. Was für den einen als leicht empfunden wird, ist für einen anderen vielleicht grob. Aus diesem Grund lässt Barton die Schüler im Vorfeld entscheiden, wie sich das Gefühl in ihrer Zügelhand anfühlen soll. Auf einer Skala von null bis zehn - bei der null kein Druck und zehn soviel wie man höchstens anwenden möchte - soll sich Gabriele überlegen, wie viel ihr Pferd Galileon am Zügel im Schritt wiegen soll. "Ich habe mich für eine drei entschieden, denn ganz weich, weiß ich, schaffen wir noch nicht. Nun fällt mir auch auf, dass der Druck wenn der Kopf hoch kommt größer seinen muss und so bestimme ich eine sieben". Die Tatsache, dass die Reiterin ein klares Bild vor Augen hat, fokussiert sie und sie hat das Problem ruckzuck selber gelöst. "Es geht darum, eine Vorstellung davon zu haben, wie sich der nächste Schritt anfühlen soll. Weiß man dies nicht, ist es für den Reiter und erst recht für das Pferd eine ziemlich schwammige Angelegenheit.

Gefühle bewusst beeinflussen

‚Nur wer ein guter Mensch ist, kann auch ein guter Horseman sein'. Ob an diesem Spruch was dran ist oder nicht, muss jeder selber entscheiden, doch für Barton steht eins fest: das Pferd spiegelt direkt jede innerliche und äußerliche Regung des Reiters wieder. Ist man unklar und hat keine Vorstellung von dem, was man möchte, ist man hektisch, ungeduldig, wütend, ängstlich oder grobmotorisch - das Pferd spürt dies und reagiert darauf. "Es ist nicht wichtig, welche Eigenschaften der Reiter mitbringt, es gibt auch keine guten oder schlechten, es ist nur wichtig, wie man mit ihnen umgeht. Man muss sie erkennen und willig sein, daran zu arbeiten. Die Kraft der Gedanken ist ein ganz wesentlicher Punkt der passionierten Spring-, Distanz- und Dressurreiterin. Sagt ein Schüler zum Beispiel ‚ja vielleicht schaffe ich es diesmal, richtig anzugaloppieren', so trägt dieser Satz eine Chance von 50 Prozent Erfolg, aber durch das Wort vielleicht auch 50 Prozent von Misserfolg in sich. "Durch die Wahl der Worte blockieren wir uns häufig unbewusst und das in allen Lebensbereichen. Die Worte, die wir wählen haben direkte Auswirkungen auf das was in unserem Leben passiert. Dies hat was individuell mit der jeweiligen Person zu tun und nicht mit dem Reiten.

Worte kann man bewusst wählen und dadurch seine Persönlichkeit verändern, aber auch Emotionen kann man kontrollieren. "Gefühle kann man beeinflussen. Früher habe ich das nicht wirklich geglaubt, " erzählt Barton, "heute weiß ich es. Man kann zum Beispiel entscheiden, ob man traurig sein möchte oder nicht." Mark Rashid, der den zweiten Dan in der asiatischen Kampfkunstart Aikido hat und dies auch unterrichtet, lebt dies seiner Schülerin seit Jahren vor. "Aber erst vor einigen Monaten, als ich meine Lieblings-Nachwuchsstute an einer Sprunggelenksentzündung verlor, habe ich wirklich begriffen, was er damit meinte. Ich ging an demselben Tag spazieren. Die Sonne schien und färbte die Blätter golden, eine leichte Brise wehte über die Felder und ich konnte meine anderen Pferde zufrieden grasen sehen. Der Tod meiner Stute Hatti könnte mich nun ein halbes Jahr außer Gefecht setzten, schwer und dunkel an mir nagen. In diesem Moment aber, habe ich verstanden, dass man entscheiden kann wie man sich fühlt. Ich entschied jede Minute glücklich mit meinen anderen Pferden zu leben und gutem Gewissen an Hatti zu denken. Und damit war jegliche düstere Zukunft um Hattis Tod beiseite gelegt. Dies wird vielleicht nicht immer so einfach sein, aber immer einfacher werden, je bewusster man sich der eigenen Stärke wird."

Verspannter Reiter - verspanntes Pferd

Neben der Kraft der Gedanken, die Barton den Schülern in Aikido-Übungen am Boden vermittelt, ist das eigene Körpergefühl wichtig. Richtiges Atmen und bewegen ist hier erforderlich. Gabriele Meinert erfährt dies am eigenen Leid. "Ich richte mein Pferd rückwärts und auch da, lehnt es sich immer wieder ein bisschen gegen das Gebiss. Amanda steht neben mir am Boden, weist kurz auf meinen Oberarm und sagt: ‚du spannst diesen Muskel hier oben an', lass ihn mal locker. Und schwups: das Pferd wird in der Sekunde weich und gibt nach. Dies war ein echter Augenöffner für mich", erinnert sich die Reiterin aus Münster. Pferde reagieren auf jeden an- oder verspannten Muskel des Reiters ebenfalls mit Anspannen eines Muskels. Je verspannter also der Reiter, desto fester und in unseren Augen oft widerspenstiger ist das Pferd. "Will man ein guter Reiter sein, muss man an sich arbeiten. Der eine fühlt sich bei Feldenkrais wohl, der andere bei Yoga, Aikido oder Ballet - jeder hat da seine eigenen Präferenzen. Wichtig ist nur, dass es etwas ist, das den Fokus auf die Mitte des Körpers legt. Asiatische Kampfkunstarten eignen sich für Reiter deshalb so gut, weil Menschen hier lernen, alles aus der Mitte aus dem Zentrum heraus zumachen. Und genau aus dieser Mitte heraus reitet Mark Rashid", erläutert die Britin.

Gutes Reiten kommt von Innen

Gutes Reiten ist mehr als nur Technik. Wer sich wachsam beobachtet und immer versucht harmonische Lösungen im Leben zu finden, der wird dies auch beim Reiten so handhaben und auf das Pferd hören. Man kann Lösungen finden, wie man mit der eigenen Ungeduld bei Kindern, Arbeitskollegen oder in der Warteschlange umgeht, man kann Timing und Gefühl bewusst verbessern, beim Kochen, Skifahren, Bürsten de Hundes und so weiter - die Palette ist vielschichtig.

Amanda Bartons eigener Weg

Wer denkt, Amanda Barton kann nur in einer Pferdewelt zuhause sein, der irrt. Als Inhaberin einer Software-Training-Firma, welche sie nach ihrem PhD in Southampton gegründet hat, unterrichtet sie nun 20 Jahren in verschiedenen Bereichen: Software, Finanzwesen, Segeln und Horsemanship. "Ich möchte immer, dass meine Schüler nach Hause gehen und viel mitnehmen - egal was ich unterrichte. Dass sie auch Zuhause weiterkommen und üben können, ihr Gefühl weiter zu verbessern. Sie sollen sich selber besser beobachten und damit von sich selber lernen." Mindestens dreimal im Jahr verbringt Barton Zeit im Sattel auf Mark Rashids Ranch in Colorado, alle zwei Jahre ist er bei ihr in England zu Gast und Rashids langjährige Assistentin Kathleen Lindley aus den USA fördert regelmäßig Bartons reiterliche Entwicklung in England. Begonnen hat alles vor etwa sieben Jahren, als Barton die Kurse des Horseman Steve Halfpenny organisierte und auch eine seiner Ausbilderinnen wurde. Als sie dann ein Jahr später Rashids Herangehensweise an Pferde kennen lernte war sofort klar: so möchte ich mit Pferden und dem Leben umgehen. In Asien werden Schüler nicht gelobt, da vermieden werden soll, dass sie etwas nur tun, um dem Lehrer zu gefallen. "Mark macht das ähnlich", erzählt Barton mit einem Schmunzeln. "Er hat mich nie viel gelobt und so waren meine ersten Jahre oft schwer, weil ich nie wusste, ob ich was falsch oder richtig machte. Ich schaute ihm immer genau zu, versuchte seine Übungen unter seiner Anleitung bestmöglich auszuführen - oft, um es ihm recht zu machen. Da ich aber nie wirkliches Feedback bekam, begann ich nach und nach ein eigenes Gefühl dafür zu entwickeln, wann ich etwas richtig mache oder nicht. Ich setzte mir einen Maßstab, wie weich sich etwas anfühlen sollte und beobachtete immer die Pferde, wie sie sich fühlen. Das Pferd war in diesem Fall immer meine Richter und bestätigte mich, wenn ich etwas richtig machte. Ich begann also, mein Gefühl, meine Skala entscheiden zu lassen. Heute sehe ich dies als größtes Geschenk - ich mache nichts, um es vor irgendwem gut zu machen, sondern nur, damit es sich zwischen dem Pferd und mir gut und harmonisch anfühlt." Die ist wohl auch der Grund dafür, warum Barton alles andere als eine Rashid-Kopie ist. Mit einer guten Didaktik, Spaß, enormer Fachkenntnis und einem sehr guten Gespür für die Bedürfnisse des Reiters, fördert sie Reiter aller Reitweisen in ihren Kursen.

Veränderung beginnt im Kopf

Doch nicht nur reiterlich bildete sich die engagierte Ausbilderin fort: "Ich habe Neurolinguistisches Programmieren (NLP) studiert und arbeite permanent an mir, wozu auch das tägliche Praktizieren von Yoga gehört. Als NLP-Ausbilderin, NLP-Sportausbilderin und Life Coach ist es mir eine besondere Freude an Themen wie Angst beim Reiten oder Springen sowie an mentaler Vorbereitung für Turnierreiter zu arbeiten", resümiert Barton, die derzeit ihren Master in NLP macht. "Lese ich eine neue Studie über die Funktion des menschlichen Gehirns, denke ich sofort darüber nach, wie die das Lernen beeinflusst und wie das im Zusammenhang mit Pferden eine Rolle spielt." Unentwegt fühlen, anpassen, überlegen und entwickeln - das macht einen offenen und einfühlsamen Reiter aus. Das Pferd gibt dabei stets die direkte Antwort.

Informationen zu Amanda Barton

Artikel und Beirtäge finden Sie auch auf diesen Seiten im Goodhorsemanship-MAGAZIN.

Kurstermine mit der Engländerin finden Sie auf ihrer Homepage:

www.amandabarton.co.uk

 

 

 

 

Text: Rika Kreinberg

 

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